Attac-Vortrag „Bürgerenergie entfesseln!“ entfällt wegen virusbedingter VHS-Schließung

Leider fällt die für Dienstag, den 17. März 2020 ab 19.00 Uhr in der VHS Essen aus. Dr. René Mono, Geschäftsführer der „100% erneuerbar stiftung“ und Vorstand des Verbandes „Bündnis Bürgerenergie e.V.“, sollte über den Nutzen und die Notwendigkeit von dezentral organisierter Energiegewinnung refererieren. Ein neuer Termin ist noch nicht angesetzt.

Eine lokal vernetzte Struktur, speziell auf genossenschaftlicher Basis, gibt den Bürger*innen ihre Versorgung selbst in die Hand und bietet zudem Schutz vor Cyber-Angriffen. Mono unterscheidet ausdrücklich zwischen lokal vernetzten und nicht vernetzten, isolierten Konzepten: „Die Vernetzung in Quartierslösungen ist immer besser als der Ansatz, Häuser autark mit Strom zu versorgen. Aber wenn die Politik … vernetzte dezentrale Lösungen durch Schikanen behindert, treibt sie die Bürger in unsinnige Autarkieprojekte. Die Menschen wollen erneuerbare Energien, die Menschen wollen sich auch gerne direkt mit lokal erzeugtem Strom versorgen. Dem muss die Politik Rechnung tragen. Denn die Zukunft der Energieversorgung wird in jedem Fall dezentral sein – fraglich ist nur, ob das mit den optimalen Konzepten geschieht.“ (zitiert nach: https://taz.de/!5317352/)

Arbeit und Wirtschaften in der Postwachstumsgesellschaft

In Zusammenarbeit mit Attac Essen lädt die Essener Volkshochschule am Sonntag, 8.3. um 11 Uhr zu einem Vortrag der Göttinger Soziologin PD Dr. Silke Ötsch ein.

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte sind hoch entwickelte Gesellschaften ausgestorben, wenn sie nicht auf Umweltveränderungen reagiert haben. Gesellschaften, die aktiv Lösungen gesucht und umgesetzt haben, überlebten hingegen. Angesichts der gegenwärtigen ökologischen Krise muss unsere Gesellschaft, wenn ein Kollaps abgewendet werden soll, in kurzer Zeit einen besonders großen Entwicklungsschritt durchmachen.
Wie kann das gelingen? Die Wirtschaft des gegenwärtigen Systems verplant und verarbeitet Ressourcen, ist geprägt von stetigem Wachstum, Wettbewerb und Standortkonkurrenz. Diese sind aber starke Treiber von nicht mehr vertretbarem Umweltverbrauch. Nachhaltiges Wirtschaften hingegen verbinden viele Menschen mit der Vorstellung von Konsumverzicht und der Angst vor Arbeitslosigkeit.
Silke Ötsch stellt die Frage: Kann es Wirtschaftsformen ohne Wachstumszwang geben, die zugleich gute Arbeitsverhältnisse bieten?

Der Vortrag stellt Konzepte alternativer Wirtschaftsformen vor und vermittelt, welche Erfahrungen damit bislang in der Geschichte und in Experimenten gemacht wurden.
Priv. Doz. Dr. Silke Ötsch arbeitet am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen sowie an der Universität Hamburg. Ihre Themen sind

  • Finanz- und Wirtschaftssoziologie mit den Schwerpunkten Besteuerung, Steueroasen, Wirtschaftspolitik und Finanzialisierung;
  • Transformation, insbesondere alternative Formen des Wirtschaftens.

„Tatort Erde“ in der VHS eröffnet – mehr als hundert Gäste kamen

Deutlich mehr als 100 Interessierte kamen am zur Eröffnung von „Tatort Erde“ in die Essener VHS und erlebten in zweierlei Hinsicht einen sehr dichten informativen Abend: Die kleine, aber feine Ausstellung des Ökologen Michael Lorenz vereint eine Fülle von  Fakten zur fortschreitenden Welt-Vermüllung und sie macht, wie Lorenz zur Eröffnung sagte, „wirklich keinen Spaß“. Das soll sie auch nicht:  Die Zahlen und Diagramme verlieren ihre abstrakte, insofern im Bewusstsein so leicht ausblendbare Dimension, weil sie mit harmlosen Alltagsdingen zusammengestellt sind. Die Präsentation berührt, weil sie so wenig suggestiv daherkommt und sie besticht, weil sie so präzise ist:  Kein Horror, keine brennenden Müllkippen, keine sterbenden Wälder.

Im Eröffnungsvortrag erweiterte der Biologe und Landwirt Hubertus Ahlers die Bestandsaufnahme unter dem Thema „Permakultur – eine ökologische Lebensweise ist möglich“ auf die Perspektive des Machbaren im ökologischen Handeln und (Land-) Wirtschaften.
Der Praktiker der Essener  Bonnekamp-Stiftung (Perma Kultur Ruhr) vertrat die in vielen Studien (u.a. dem UN-Weltagrarbericht 2008) untermauerte These, dass der Turn-around in der Weltentwicklung durch das kleinteilige Prinzip der Permakultur in der Landwirtschaft auch heute noch möglich ist. Das greift allerdings wesentlich weiter als die heute weltweit gegebene und sich rasant verschärfende Eigentums- und Fördersystematik in der Landwirtschaft zulässt. Kleinteilige, sich selbst tragende Hofgrößen, regionales und saisonales Produzieren und kurze Wege sind in der zitierten UN-Studie den Prinzipien der großindustriellen Agrarwirtschaft weit überlegen – nicht nur in der Reduzierung der umweltzerstörerischen und ressourcenfressenden Faktoren, sondern auch in der Wirtschaftlichkeit.
Obwohl die Kleinbauern des globalen Südens nur 35 Prozent der weltweit nutzbaren Fläche bewirtschaften, ernähren sie doch 70 Prozent der Menschheit. Der Norden hingegen nutzt 65 Prozent der zur Verfügung stehenden Fläche und ernährt damit nur 30 Prozent der zurzeit sieben Milliarden Menschen – deren industrielle Produktion benötigt Unmengen an Energie, Wasser und Kapital. Last not least ist die industrielle Landwirtschaft mit Monokulturen, Gülleproduktion, Pestiziden, Rodung und Landverbrauch für den weitaus größten Anteil des exponentiell wachsenden Artensterbens verantwortlich.

Ausstellung „Tatort Erde – ein Planet wird verändert“

18. Februar bis 19. Juni 2020 in der VHS Essen (Ausstellungsfoyer 1. Etage)

In Zusammenarbeit mit Attac Essen, Transition Town – Essen im Wandel, dem Ernährungsrat Essen und der Bonnekamp-Stiftung wird die Ausstellung „Tatort Erde – ein Planet wird verändert“ vom 18. Februar bis 19. Juni 2020 den thematischen Schwerpunkt im Bereich „Gesellschaft“ der Volkshochschule Essen bilden. Vorträge, Filme und Foren begleiten die Ausstellung bis Mitte Juni.

Eröffnung: Dienstag, 18.02.2020, 18.00 Uhr

Komprimiert auf kleinem Raum zeigt die Ausstellung von Michael Lorenz eine Fülle von Objekten und Prozessen des täglichen Lebens. Der Biologe, studierte Ökologe und Kurator (u.a. Ruhr Museum) weist anhand von Modellen, Nachrichten und Statistiken aus der Forschung auf die Notwendigkeit veränderter Denk- und Handlungsweisen hin: Im Haushalt, Nahrung, Körperpflege, Kommunikation, Mobilität. Auf diese Weise werden regionale, nationale oder globale Megaszenarien zunächst auf das alltägliche Level eines Individuums heruntergebrochen und  dann erneut in den globalen Kontext gesetzt.
Die damit verdeutlichte Endlichkeit der Ressourcen lässt die Einzigartigkeit der Erde als unersetzliche Heimat des Menschen und aller Lebewesen anschaulich werden und „begreifen“.

Den Vortrag zur Eröffnung am 18.02. hält der Biologe Hubertus Ahlers von der „Bonnekamp-Stiftung für die integrative Stadt“ zum Thema „Permakultur – eine ökologische Lebensweise ist möglich“.

Anhand von Praxisbeispielen aus aller Welt vermittelt Ahlers einen Überblick über einen zivilgesellschaftlich getragenen Kulturwandel: Es ist möglich, unser Leben ressourcenschonender und klimaneutral zu gestalten! Zehntausende von Aktivisten arbeiten „von unten“ an einer lebenswerten Zukunft jenseits der „heiligen Dreifaltigkeit“ von Wachstum, Ausbeutung und Profitmaximierung. Was wir stattdessen brauchen ist: Selbstermächtigung durch Ernährungs-Souveränität.

Weitere Veranstaltungen zur Ausstellung in der VHS Essen,
Burgplatz 1, 45127 Essen März bis Juni 2020 (Eintritt frei):

Dienstag, 17. März 2020, 19:00 Uhr (Attac Essen)
Bürgerenergie entfesseln!
Referent: Dr. René Mono

Mittwoch, 29. April 2020, 18:30 Uhr (Transition Town – Essen im Wandel)
Climate Crimes
Film von Ulrich Eichelmann

Dienstag, 19. Mai 2020, 19:00 Uhr (Extinction Rebellion Essen)
Aufstand oder Aussterben!
Referent: Christofer Rott

Dienstag, 16. Juni 2020, 19:00 Uhr (Ernährungsrat Essen)
Ökologische Nahrungsmittel für alle
Verschiedene Referenten/innen