„Tatort Erde“ in der VHS eröffnet – mehr als hundert Gäste kamen

Deutlich mehr als 100 Interessierte kamen am zur Eröffnung von „Tatort Erde“ in die Essener VHS und erlebten in zweierlei Hinsicht einen sehr dichten informativen Abend: Die kleine, aber feine Ausstellung des Ökologen Michael Lorenz vereint eine Fülle von  Fakten zur fortschreitenden Welt-Vermüllung und sie macht, wie Lorenz zur Eröffnung sagte, „wirklich keinen Spaß“. Das soll sie auch nicht:  Die Zahlen und Diagramme verlieren ihre abstrakte, insofern im Bewusstsein so leicht ausblendbare Dimension, weil sie mit harmlosen Alltagsdingen zusammengestellt sind. Die Präsentation berührt, weil sie so wenig suggestiv daherkommt und sie besticht, weil sie so präzise ist:  Kein Horror, keine brennenden Müllkippen, keine sterbenden Wälder.

Im Eröffnungsvortrag erweiterte der Biologe und Landwirt Hubertus Ahlers die Bestandsaufnahme unter dem Thema „Permakultur – eine ökologische Lebensweise ist möglich“ auf die Perspektive des Machbaren im ökologischen Handeln und (Land-) Wirtschaften.
Der Praktiker der Essener  Bonnekamp-Stiftung (Perma Kultur Ruhr) vertrat die in vielen Studien (u.a. dem UN-Weltagrarbericht 2008) untermauerte These, dass der Turn-around in der Weltentwicklung durch das kleinteilige Prinzip der Permakultur in der Landwirtschaft auch heute noch möglich ist. Das greift allerdings wesentlich weiter als die heute weltweit gegebene und sich rasant verschärfende Eigentums- und Fördersystematik in der Landwirtschaft zulässt. Kleinteilige, sich selbst tragende Hofgrößen, regionales und saisonales Produzieren und kurze Wege sind in der zitierten UN-Studie den Prinzipien der großindustriellen Agrarwirtschaft weit überlegen – nicht nur in der Reduzierung der umweltzerstörerischen und ressourcenfressenden Faktoren, sondern auch in der Wirtschaftlichkeit.
Obwohl die Kleinbauern des globalen Südens nur 35 Prozent der weltweit nutzbaren Fläche bewirtschaften, ernähren sie doch 70 Prozent der Menschheit. Der Norden hingegen nutzt 65 Prozent der zur Verfügung stehenden Fläche und ernährt damit nur 30 Prozent der zurzeit sieben Milliarden Menschen – deren industrielle Produktion benötigt Unmengen an Energie, Wasser und Kapital. Last not least ist die industrielle Landwirtschaft mit Monokulturen, Gülleproduktion, Pestiziden, Rodung und Landverbrauch für den weitaus größten Anteil des exponentiell wachsenden Artensterbens verantwortlich.